szmmctag

  • Sticky Warnung

    Dieses Blog enthält schlimme Worte, überspitzte Ansichten, Übertreibungen, waghalsige Behauptungen, ja Unverschämtheiten. Es existiert sehr, sehr lange, in dieser Zeit haben viele hier aufgestellte Behauptungen an Relevanz verloren. Manches ändert sich binnen Minuten. Das meiste ist bewusst überteieben. Manches ist bitterer Ernst. Geistige Flexibilität ist voraussetzung für schadfreies Rezipieren.

    Es entsteht der Eindruck, dass der Autor ein misanthroper Wicht ist, einer, der im dunklen Kämmerlein sitzt und sich auslässt, der keine Freude hat, niemals, weder an seinen Mitmenschen, noch am Sein im Allgemeinen.

    Dieses Blog hat auch kein Thema. Hier schreibt kein Techi, kein Medienmensch, keine Hausfrau, kein Sexsüchtiger. Wer es also differenziert, untermauert und wissenschaftlich genau bevorzugt, wer es monothematisch mag, der verlasse dieses Blog jetzt, auf der Stelle.

    Dieses Blog erscheint zudem vollkommen überflüssig. Das ist jedoch falsch, genau wie der Eindruck des Autoren.

    Hier will ich mich nicht darstellen, ich will unterhalten. Wer es schafft, das Augenzwinkern oder schlicht die Freude am Echauffieren nachzuvollziehen, der ist hier richtig. Ich bin kein Wicht, der im Keller wohnt, sondern ein durchaus soziales Wesen. Und so misanthrop, wie ichs vielleicht manchmal gern wäre, bin ich auch nicht. Zudem ist dieses Blog ein Protokoll, eine Art Tagebuch. Ich lese heute einen Eintrag, der vier Jahre alt ist und ich kann mich bildlich an jenen Tag erinnern. Das finde ich wertvoll.

    Wer immer bitterernst ist, wer jedes Wort auf die Goldwaage legt, der gehe besser. Das hier ist meine Spielwiese und es kann durchaus ruppig und böse zugehen. Immer das Augenzwinkern und den Spaß eines temporären Wirrkopfes in der Metaebene beachten und die Lektüre geht ohne Schäden vonstatten.

    Danke für die Aufmerksamkeit.

    (Dieser Eintrag steht immer an oberster Stelle, nicht wundern. Einfach runterscrollen, da gehts immer weiter voran, mal schneller, mal langsamer)

  • Doppelte Premiere - ein tolles Erfolgserlebnis

    Nachtrag vom 22. Mai 2013, weil Blog.de gestern offenbar Serverprobleme hatte.

    Es gibt einige Erfahrungen, die mein Arbeitsleben so grandios machen. Vielleicht ist es naiv, aber meine Fresse, ich bin noch nicht all zu abgeklärt, habe nicht die Riesenerfahrung. Vielleicht ist es auch nicht so besonders wie ich denke - aber für mich ist es das. Ich habe gestern eine Premiere erlebt. Und heute gleich noch eine. Und eine war besser als die andere.

    Ich hab gestern meinen ersten Leitartikel geschrieben für die Braunschweiger Zeitung. Es ging darum, dass die Innenminister überlegen, für Radfahrer eine niedrigere Promillegrenze festzulegen. Für nicht-Schreiber: ein Leitartikel ist, grob umrissen, ein etwas längeres Meinungsstück, in dem ein Autor zu einem aktuellen Thema einen Standpunkt aufstellt, argumentiert und mit einem Fazit schließt.

    Ich habe zum Fahrradthema einen Leitartikel geschrieben, in dem es darum geht, dass noch eine Regel zu viel Bevormundung wäre, nicht umsetzbar und jeder ein Recht auf Selbstzerstörung hat. Es brauche ein anderes Bewusstsein. Und wer trotzdem vor ne Wand kachelt oder jemanden umfährt...ach, einfach kurz klicken und selbst lesen!

    Heute früh dann eine recht aufgeregte Whatsapp von meinem Vater und später von einer hochgradig geschätzten Kollegin: Glückwunsch, das Deutschlandradio hat meinen Text in seine Presseschau aufgenommen. Da es auf die einzelnen Schauen keinen direkten Link zu geben scheint, einfach unten auf der Seite in der Archivauswahl 7:05 Uhr, 22 Mai 2013 angeben und da ist dann auch ein kleiner Ausschnitt aus meinem Text zu finden. Zur D-Radio-Presseschau hier klicken. Letztendlich wurde also auch mein Geschreibsel im Radio vorgelesen und zwar nicht bei irgendeinem Heiopei-Privatsender, sondern im Deutschlandfunk.

    Später kam dann noch eine andere Kollegin und berichtete, dass sie ebenfalls einen Ausriss aus dem Text gehört habe, der mdr hats offenbar auch aufgegriffen. Wow. Da es auf die Textversion der Presseschau vom mdr scheinbar keinen Permalink gibt, hier gehts zur Audio-Version.

    Ich bedanke mich bei allen Beteiligten. Bei denen, die mich mit diesem Leitartikel beauftragt haben, bei denen, die beraten, angeregt, ermutigt und redigiert haben, bei dem, der das Ganze gestern Abend noch an die dpa rausgegeben hat - und letztendlich bei denen, die es aufgegriffen haben (unbekannterweise). Vielen Dank! Eine tolle Erfahrung.

  • Ich hatte mir noch so viel vorgenommen

    Vielleicht wäre doch,
    vielleicht wäre doch,
    manches dabei herausgekommen...

    Seit nunmehr über einem Jahr habe ich nicht mehr nach durchwachter Nacht die Sonne aufgehen sehen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ich zuvor zwei oder drei Jahre lang so ziemlich jedes Wochenende den Tagesbeginn bei vollem Bewusstsein erleben durfte. Zuerst weil ich in einem Club "feiern" gegangen bin (rumsitzen, sich unterhalten, Leute beobachten) und weil ich dann ein Jahr lang in ebenjenem Club gearbeitet habe. Und wenn da Schluss war, war es hell. Oder wurde es grad.

    Nun arbeite ich seriös und vollzeit und gehe an Wochenenden um spätestens 2 Uhr nach Hause. Einfach weil ich eh nichts verpasse, weil ich nicht saufe, weil mein Leben ganz cool ist und ich nicht flüchten brauche. Ich brauche auch niemanden aufreißen, ich tanze nicht und letztendlich kommt der beste Musikmix aus meinen Kopfhörern. Ich verpasse auch nichts, wenn ich nicht dabei bin. Manche Bekanntschaften kommen hinzu, manche verschwinden und die Nasen, die man sowieso dauernd sieht, verändern sich subjektiv gesehen nicht. Was aber wohl dran liegt, dass man sich zu oft sieht.

    Kurzum: ich bin weniger im Nachtleben unterwegs als irgendwann früher.

    Nun habe ich zwei Wochen Urlaub. Nicht ganz, da ich sowohl am Beginnwochenende, als auch am Endwochenende Dienst habe, letztendlich bleiben da nur 12 Tage am Stück. Aber wann wenn nicht im Urlaub kann man durchfeiern? Erst recht wenn ein ziemlich überregional bekannter DJ da ist und es ein vielversprechender Abend werden kann. Ist immer gut was los, wenn der sich angemeldet hat.

    Ich bin um kurz nach zwei nach Hause. Der Laden war rappelvoll, die Luft zum Schneiden, die Leute breit und seltsam, die Musik zwar gut, aber nicht überragend, an Gesprächspartnern hätte es nicht gemangelt - also alles so wie zu Zeiten, in denen ich bis zum bitteren Ende geblieben wäre. Nur dass es mich heute genervt hat, zu viel war, zu stressig. Und wenn ich ohnehin nichts verpasse, kann ich ja auch nach Hause gehen. Gedacht, getan.

    Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen... - aber am Ende besteht meine Urlaubsleistung dann eher darin, den Garten meiner Eltern ein bisschen auf Vordermann gebracht zu haben. Vielleicht schaffe ich ja noch den einen blöden Behördengang und die Autofahrt zur Waschanlage. Wie spießig.

    Titelgebendes Lied (grandios):



    Hannes Wader - Ich hatte mir noch so viel vorgenom… - MyVideo

  • Flaschenpost

    Ich bin seit Dienstag ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, denn ich habe etwas getan, das jeder Deutsche inoffiziell zu tun verpflichtet ist: Ich bin einem Verein beigetreten.

    Ich will keine politischen Ziele erreichen, nicht an irgendwas Tollem partizipieren, sondern einfach angeln. Also trat ich dem Angelverein bei. Damit ich legal diesem wundervollen Hobby frönen kann.

    Heute waren wir los. Fisch gabs nicht, nur ein paar Bisse. Dafür fingen wir uns ne Flaschenpost, per an Schnur gebundenem Minikescher. Wir freuten uns schon, ich hätte den Brief, so er denn gut gewesen wäre, abgeschrieben und unterhalb der Stadt wieder in die Oker geschmissen. Er hätte es theoretisch bis in die Nordsee und von dort bis überall schaffen können.

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    Der Inhalt jener Flaschenpost erschien die Mühe dann allerdings nicht wert. Immerhin, wir haben sie weitergeschickt. Wahrscheinlich hängt sie jetzt schon im nächsten Wehr fest.

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    Die wichtigste Frage: was zur Hölle hat die Zeichnung unten zu bedeuten?

    Und: im Glauben an einen Mobbingversuch oder die Rache an einer Ex-Freundin haben wir davon abgesehen, die Nummer anzurufen. Und deswegen (und auch wegen der rechtlichen Seite) hab ich sie hier unkenntlich gemacht.

  • Teilzeit-Choleriker

    Ich bin im wahren Leben ja eher von ruhigem Naturell. Ich reiß mein Maul nicht all zu oft weit auf und wenn ich ausfallend werde, dann eher durch die Worte an sich. Man kann ein Gegenüber auch in Zimmerlautstärke deutlich spüren lassen, für wie scheiße man es hält. Ich halte Brüllen auch immer für einen Ausdruck von Hilflosigkeit und irgendwo Schwäche. Stärke und Größe liegt in Contenance.

    Ich habe mich bei meinem kleinen Bruder mal gefragt, wie die Kinder in seiner Klasse auf solche Schimpfworte kommen. Als der in die Grundschule kam, wuchs sein Beleidigungsreportoire rasant an; und zwar durch die anderen Kinder, von zu Hause hatte er es nicht. Fraglich nur, woher die anderen Kinder es hatten. Als dann meine Co-Tochter irgendwann mal was von "dieser verfickte, abgehurte..." faselte, dämmerte es mir langsam. Die Kinder hatten das im Auto aufgeschnappt. Denn das, was im ersten Absatz dieses Textes steht, verliert genau in dem Moment seine Gültigkeit, in dem ich den Zündschlüssel umdrehe. Penner, Pisser und Wichser sind noch die harmloseren Worte. Wenn die Verkehrslage es zulässt, werde ich gern verachtend. Wahlweise als Verschwendung von Fett, Haut oder Platz nenne ich die Menschen um mich herum. Ich glaube, Fluchen im Auto ist kein zeichen von besonderer Individualität. Daher also hatten es die anderen Kinder.

    Ich wünsche beim Autofahren machen, dass sie sterben mögen oder schlimme Krankheiten bekommen, manchen wünsche ich eine Scheidung mit fiesem Rosenkrieg, wieder anderen soll einfach irgendwas abfaulen. Wenn ich richtig Zeit und Spaß dran habe, dann führe ich das weiter aus. Wie zum Beispiel der soziale Abstieg des Menschen vonstatten geht, welche Alltagsprobleme sich mit einer abben Hand ergeben, das ganze endet mit einem Begräbnis auf dem Haustierfriedhof - mit dem Gesicht nach unten.

    Sehr gern Substantiviere ich auch Verben. Du Abgehurter, du Verfickter, du Verblödeter, du Grenzdebiler, du Dämlichkeit, du Minderer, du Beschränkter, du Gelump, Gekröse, Geschmeiß. Die beiden Erstgenannten des vorherigen Satzes benutze ich wohl besonders oft und auch dann wenn das Kind im Auto sitzt. Meine bessere Hälfte bremst mich dann immer. Und von der Rückbank ertönt nur ein scheinheiliges "Ich hab nichts gehört!".

    Naja, was solls. Kann ja nicht schaden, wenn das Kind lernt, kreativ zu fluchen. Kreativ ist ja immer gut, oder? ^^

  • Wo isse hin?

    SchülerVZ macht dicht. Ich gehe mal hin und schaue. Hat sich nichts getan. Ich weiß gar nicht, wieso ich mich da mal angemeldet hab. Ich gehe auch auf StudiVZ. Der letzte Eintrag auf meiner dortigen Pinnwand ist eine Geburtstagsgratulation aus dem Jahr 2011.

    Ich sehe dort auch einen Pinnwandeintrag meiner noch heute bestehenden besseren Hälfte. Dieser Zeitraum ist ein Rekord. Heute vor zwei Jahren sind wir mit einem Kuss vor ihrer Haustür zusammengekommen. War schon witzig, wie keiner gehen wollte und wir quasi die Autos gezählt haben. Ich hab heute erst an den Jahrestag gedacht, als ich auf Arbeit war, weil ich davor so verbrezelt war, dass ich das Datum nicht im Kopf hatte. Und weil ich Spätdienst habe und sie nicht, haben wir uns nichtmal gesehen zum Jubiläum. Und weil ich erst im Dienst dran gedacht habe, konnt ich ihr nichtmal ne Blume besorgen. Ich hab nach Feierabend versucht, im Park so ein noch nicht blühendes Gekröse auszubuddeln. Hätte es dann in nam alten Kaffeebecher nach Hause getragen. eingetopft und ihr wenigstens an ihre Bettkante gestellt. Habs nicht geschafft, dafür jetzt ne brennende Wunde an der Hand. Sie liegt im Bett und pennt.

    Ich hab mir bei StudiVZ ihr Profil angesehen. lauter Fotos von vergnügten jungen Menschen, die Grimassen schneiden, sozial sind, sich amüsieren. Das ist heute so rar gesäht. Die Arbeit ist schuld.

    Als wir uns kennenlernten, war ich Student, sie machte ne Ausbildung. Wir hatten wenig Geld, aber viel Freizeit und waren glücklich. Jetzt haben wir mehr Geld, von dem nichts übrig bleibt, dafür ein weitgehend sinnloses Auto, wenig Freizeit, kaum gemeinsame Freizeit und das bisschen, was wir gemeinsam haben, sind wir so geschafft, dass wir es nicht so nutzen, dass dabei Bilder entstehen könnten, auf denen wir so aussehen, als hätten wir Spaß. Mieser Bandwurmsatz. Ich hab auch den Anspruch an mich selbst in fast allen Belangen derzeit aufgegeben.

    Ich jammer auf hohem Niveau. Dennoch denke ich momentan einfach nur, dass das Leben ein Beschissenes ist. Wo isse hin, die Freude am Sein?

  • Kaspertheater im Jahr 2013

    Zwei Tage glotzt die Welt auf einen Schornstein, einen verdammten Rauchabzug. Spiegel Online macht nen Livestream, bei dem einfach nur ein Dunstabzug gezeigt wird. Highlight des Tages ist ne Möwe, die sich draufsetzt. Da bekommen dann die ersten von den 200.000 Verblendeten auf dem Petersplatz den spirituellen Orgasmus. Wegen einer Möwe. Und dann ist die ganze Welt gespannt, welche Farbe der Rauch hat, der irgendwann da rauskommt.

    (Witzig war es tatsächlich als ich vorhin nach Steilvorlage des CvD's durch die Redaktion rief "Weißer Rauch!!!" und kurze Geschäftigkeit ausbrach - obwohl noch gar kein Rauch kam. Der kam 5 Minuten später).

    Als dann endlich weißer Rauch kommt, richten sich die Augen auf einen Balkon. Vom Schornstein zum Balkon, na immerhin. Jedes Mal wenn ein Windhauch da die Gardine bewegt, geht ein Raunen durch die 200.000 Zuschauer vor Ort. Die stimmen irgendwelche stadionartigen Gesänge an, deren Inhalt an untergegangene Monarchien erinnert (Der König ist tot, lang lebe der König). Und dann bricht Jubel los. Der Grund: ein paar Greise treten auf den Balkon, in seltsame Kluften gewandet. Einer, bei dem man Angst haben muss, dass er gleich wegklappt, liest mit zittriger Stimme lateinische Worte von einem Computerausdruck ab, der in extragroßer Schrift verfasst ist. Er verhaspelt sich auch kurz und eventuell versteht er nicht einmal, was er da quackelt. Auch unter den 200.000 Vernebelten ist wahrscheinlich kaum ein Lateinkundiger dabei. Egal, man jubelt ihm zu. Er könnte auch "Der Morgenschiss kommt ganz gewiss und wenn es erst am Abend ist" auf lateinisch vorlesen. Jubel. Und dann kommen noch mehr Männer, die ihr Verfallsdatum in nächster Zukunft erreichen, allesamt in abenteuerliche Kleider verpackt. Einer redet ein wenig und wünscht ne gute Nacht und alle hauen wieder ab.

    Ich frage mich ja oft, was Außerirdische denken mögen wenn sie uns lustiges Völkchen entdecken und beobachten. Ich denke mal, in spätestens dem Moment eines Konklaves hauen die wieder ab. Hier gibts eh nichts zu holen, eine Population, die so einen Kasperzirkus veranstaltet, mit einer derartigen Ernsthaftigkeit - die wird in den nächsten paar Jahrzehnten ohnehin nichts auf die Beine stellen. So blöde, wie die sein müssen, sind die nichtmal als Sklaven zu gebrauchen.

    Witziger Sidekick: die katholische Kirche hat die Salafisten wohl wahrscheinlich von den Titelseiten von morgen vertrieben. Auch ne Form des Glaubenskampfes :D

  • Besser als das Original

    Ich bin ja ein Kerl, ein Mensch männlichen Geschlechts. Als solcher heule ich nur wenns wichtig ist. Und als solcher sehe ich auch das sprichwörtliche Pipi in den Augen schon als Heulerei an. Wenn dann irgendein Hollywoodschinken mit Musik, Bildern und Stimmung wieder geschickteste Manipulation betreibt um eine emotionale Reaktion zu provozieren, wende ich mich ab, denn das ist nicht wichtig. Ich finde es auch scheiße, wenn mich das Mimenspiel irgendwelcher Schauspieler berühren oder wenn zwei große schwarze Flecken, die die Augen eines kleinen Rehkitzes darstellen, mir den Saft in die Linsen treiben sollen. Naja, Bambi ist einfach ein prominentes Beispiel, ich habe den Film lange nicht gesehen.

    Es gibt einen Film, bei dem ich mir derartige Emotionen gestatte. Schindlers Liste. Wo am Ende die Überlebenden, die Geretteten, die Steine auf sein Grab legen. Nicht die Schauspieler, sondern diejenigen, die den Film gnadenlos zu einem Stück Dokumentation machen und einem brachial verdeutlichen, dass die Handlung nicht irgendeinem Drehbuchschreiber entfleucht ist. Da heule ich dann. Ich gebe es zu. Obwohl ich das eigentlich nicht weiter schlimm finde, schaue ich mir diesen Film nie in Gesellschaft an.

    Nicht gerade in Tränen ausgebrochen, aber schon schwer geschluckt und Gänsehaut bekommen habe ich bei einem Video, das ich heute gezeigt bekam. Und auch da fand ich es okay. In dem Video singt Dieter Pfaff "Ring of Fire" von Jonny Cash. Und er singt es nicht nur, er macht irgendwas draus, für das ich kein Wort kenne.

    Was mich daran bewegt, sind zwei Dinge:
    Zum einen ist der Mann heute gestorben und das ist immer traurig, auch wenn ich ihn nicht kannte.
    Zum anderen aber zeigt das Video, wie unsicher er zu sein scheint. Das ist kein arroganter Hollywoodschnösel, sondern scheinbar ein ziemlich auf dem Boden gebliebener Schauspieler, der was weiches, fast zerbrechliches an sich hat. Wie während des Liedes seine Augen keinen festen Punkt finden, wie er seine Augen schließt, wie seine Stimme bricht, seine wunderbar rauchige, verbrauchte Stimme. Das ist so gut, weil es eben nicht dieses glattgebügelte Popgeschmeiß ist, mit abgeschliffenen Fressen, das in bunten Kostümchen möglichst crazy inhaltsleere Retortenmusik dahinträllert und dafür von dem degenerierten Pack noch frenetisch beklatscht wird. Das ist Musik, das ist ein Mensch, der da steht und wehrlos scheint. Melancholisch. Ich hab den Rest der Sendung nicht gesehen, aus der das Video stammt. Bei der überdrehten Moderatorin ists vielleicht auch besser so.

    Der Eindruck dieses Menschen während des Songs ist grandios. Als das Lied zu Ende ist, bedankt er sich leise, lässt sich kaum feiern, der Applaus scheint ihm fasst unangenehm. Und natürlich kräht diese nervige Schnalle dazwischen und zerstört aufs übelste die Stimmung. Schade, wirklich ein Jammer. Dass das Dieter Pfaff ist, wissen alle Anwesenden und es ist gerade ruhig, er hat gerade den Song in Perfektion zu Ende gebracht. Und die blökt da rum. Man ist gewillt, den Laptop zu zertrümmern, nach Hamburg zu fahren und ihr bekacktes Studio in ne Tiefgarage umzubauen. Aber wenn man noch ne Sekunde dranbleibt, dann sieht man, wie er nicht weiß, was jetzt passiert. Er nimmt die Gitarre ab, hält den anderen Arm unsicher an seinem Körper. Sein bescheidenes, fast gequältes Lächeln verschwindet, seine Augen irren herum, finden keinen Halt, er weiß nicht, wo er hingehen soll. Kein großer Schauspieler, sondern ein schüchterner Privatier, einer der eher in sich gekehrt wirkt, der grübelt. Und der weg will.

    Vielleicht war er deswegen ein so gelobter Schauspieler. Vielleicht interpretiere ich auch einfach zu viel, daher für den geneigten Leser hier das Video. Gute Nacht allerseits.

    Achja. Das Video habe ich bei Facebook gesehen, wo es von Spiegel Online geteilt wurde. Danke dafür!

  • Wieso die Italiener sich mit ihrer Wahl mehr als qualifiziert haben

    Mein Held des Tages heißt Deniz Yücel. Denn der Mann hat eine wundervolle Kolumne bei Taz.de. Definitiv lesenswert.

    Allein das Statement zu Berlusconi ist einfach grandios. Ja, der Mann ist ekelhaft, ein schmieriger, schleimiger Sexist. Was fällt den Italienern ein, so einen durchschaubaren, scheinbar in illegale Geschäfte verwickelten Populisten zu wählen? Ich gebe zu, auch ich habe das gedacht. Sind die denn total bescheuert? Vielleicht.

    Vielleicht sind sie aber auch einfach konsequent. Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren bei einer Europawahl (glaube ich) die Bayernpartei gewählt habe. Ich war irgendwie desillusioniert, mir war klar, dass SPD, CDU, Schimmelgrün oder Uringelb eh keinen großen Unterschied ergeben würde. Sind ja dann doch alles die gleichen Hirnis. Nur eben auf verschiedene Weisen hirnig. Auf dem Wahlzettel stand, dass die Bayernpartei Bayern aus Deutschland ausgliedern und zu einem eigenen Staat erklären wollte. Fand ich gut. Ich hatte damals einen gewissen norddeutschen Regionalpatriotismus kultiviert und da schien es nur konsequent, die Bayern nicht mehr zu Deutschland zählen zu können. Sind ja auch panne, so mit Lederhosen, Gejodel und Sauferei. Wahlkreuz verschwendet, geschmunzelt. Ich hab sie danach nie wieder auf nem Wahlzettel gefunden.

    Solch affektive Stimmenabgabe habe ich später auch nochmal gepflegt. Ich glaube, es war eine Kommunalwahl, bei der mir auf dem Wahlzettel auf einmal "Die Violetten" ins Auge sprangen. Oberkracher. Selbstbeschreibung: die Partei für spirituelle Politik. Ich glaub, man hat mich aus der Wahlkabine heraus glucksen hören. Und als ich dann mit sehr verschmitztem Gesichtsausdruck den Wahlzettel einwarf, hielten mich naive Zeitgenossen sicher für einen begeisterten Demokraten. Endorphineinschuss beim Zettelfalten. Erregung bei der Wahlboxschlitzpenetration.

    In den letzten Jahren habe ich vernünftig gewählt. Mich vorher informiert, obwohl eh klar war, welche Parteien wohl am wenigsten nichtwählbar wären. Kreuz gemacht, abgehauen, Pflicht erledigt. Wenn man denkt, man sei ja jetzt erwachsen und seriös und so und da müsse man halt auch erwachsen, vernünftig und seriös wählen. Eben den Haufen Scheiße, der am wenigsten stinkt.

    Die Italiener haben das zumindest zu einem relevanten Teil nicht gemacht. Die wählen die beiden schlimmsten Populisten, die ohne Rücksicht auf Verluste, Zukunft und Realität irgendwelchen Scheiß daherreden, den das Wahlvieh hören will. Sauber. Besser hätten Berlusconi und Grillo heutige Politik ja kaum demaskieren können. Und der Oberkracher: sie bekommen auch noch Recht. Realsatire.

    Klar, dass der Deutsche, der fleißige, tugendhafte, vernünftige Deutsche sich da aufregt. Die haben sich ne Freiheit genommen, die uns fehlt. Die scheißen auf Konsequenzen, die sind mit Freude unvernünftig und noch angepisst wenn man sie dann dafür kritisiert. So eine selbstverständlich infantiles Verhalten ist auf der einen Seite abstoßenswürdig. Peinlich. Armselig. Zumindest aus deutscher Sicht.

    Und aus Sicht des hedonistischen Nihilisten, der ich so gern wäre, ist es grandios. Beneidenswert, diese Selbstverständlichkeit. Huldigen sollte man ihnen. Brachialer Realismus. Berlusconi will uns vier Milliarden Steuern geben? Sauber, den wählen wir. Ob dann Europa krachen geht, ist uns doch scheißegal, das dauert ja eh noch. Ob wir dann in ne noch fiesere Rezession rutschen? Was solls, solange wir alle nen Gemüsegarten haben, aus dem wir fressen können wenn ein Brot 5000 Euro kostet. Geil, so sorglos, so unbedacht, spontan und aus Konsequenzen scheißend wäre ich auch gern. Ich bin zu deutsch.

    Danke für den Gedankengang an Deniz Yücel, der das Inspiriert hat mit seiner wirklich grandiosen Kolumne.

    Und übrigens (ich betätige mich als Multiplikator): Der Mann wird aller Wahrscheinlichkeit nach "Jütschel" ausgesprochen. Das C wird im türkischen nie als K-Laut ausgesprochen, sondern immer als "Tsch". Ein türkischer Freund, den ich sehr schätze, hat sich darüber neulich ein wenig echauffiert, dass keiner seinen Nachnamen richtig ausspricht. Also traget die Kunde weiter, Kinder.

  • Es juckt

    Es juckt mich...

    ...wenn ich diese ganzen dämlichen Duckface-Bilder sehe. Wer hat irgendwelchen Schwachköpfen erzählt, es wäre irgendwie toll, auf Bildern nen Kussmund zu machen? Es ist nicht toll, es sieht scheiße, billig und gewollt aus.

    ...wenn ich auch nur tangiert werde von irgendwelchen Scheißbildern aus der Pop- und Privatfernsehwelt. Wo Verblödete heroisiert und minderjährige sexualisiert werden. Den Verantwortlichen sei ein schmerzhafter Tod gewünscht.

    ...wenn ich jemandem auf dem Handy anrufe und mit irgendwelcher Musik vollgemasselt werde, anstelle eines Freizeichens. Petitesse, aber ich könnt mich jedes Mal aufregen. Das ist so bescheuert. Mag ja sein, dass man ein Lied toll findet oder sonstwas. Aber wie oft ruft man das eigene Handy an und hört das? Ich verzichte auf Private Radiosender, einfach weil ich mir dieses ganze Plaste-Popgedudel nicht antun kann.

    ...ganz besonders wenn ich merke, wie gehemmt ich bin, vermeintlicher Konsequenzen wegen. Das liegt daran, dass ich was will und dass ich Verantwortung trage für eine kleine Familie. Was wohl auch ganz gut ist. Aber manchmal würde ich dem Jucken schon gern nachgeben.

    Auch wenn ich anschließend nen Bruch des Mittelhandknochens und einige andere blöde Konsequenzen zu ertragen hätte.

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